Studientag „Altes Erbe – neuer Geist? Bräuche im Spannungsfeld von Volksfrömmigkeit und Zeitgeist“
Rauhnächte, Räucherrituale, Sonnwendfeiern, etc.– Bräuche erleben derzeit eine neue Popularität, nicht nur als kulturelles Erbe, sondern auch als spirituelle Ressource. Dabei zeigen sich unterschiedliche Deutungen: von gewachsener christlicher Volksfrömmigkeit bis hin zu esoterischen oder neuheidnischen Umdeutungen.
Die Studientage im November 2026 und März 2027 laden dazu ein, nach den volkskundlichen Grundlagen von Bräuchen und ihrer gegenwärtigen Gestaltung zu fragen.
Welche Sehnsüchte nach Identität, Beheimatung, Ritual und Selbstwirksamkeit kommen darin zum Ausdruck? Welche Bedürfnisse werden angesprochen – und warum scheinen sie heute vielfach außerhalb christlicher bzw. kirchlicher Formen beantwortet zu werden? Oder anders formuliert: weshalb finden viele Menschen offenbar eher in neu gedeuteten Ritualen Antworten als in klassisch christlich geprägten Bräuchen?
Ein besonderer Fokus liegt auf einer christlich verantworteten Einordnung dieser Entwicklungen: Wo liegen die Wurzeln unserer eigenen anlassgebundenen Traditionen, Rituale und Praktiken? Was unterscheidet die Gnadenorientierung christlicher Bräuche von einem „Ich muss und kann selbst etwas tun“ der Esoterik?
Nicht zuletzt geht es um eine theologisch verantwortete Praxis vor Ort: Wie ist mit Entwicklungen wie „Lichterfest“ statt Martinsfeier, mit Halloween oder neuen Adventsformen wie dem Wichteln umzugehen? Wo sind klärende Abgrenzung, wo kreative Umdeutung und wo eine bewusste christliche Profilierung angezeigt?